Letzte Woche saß ich nach einer Atem-Coaching Session mit einer Klientin da und dachte:
Eigentlich war das Entscheidende heute gar nicht die Atemtechnik.
Sie war ursprünglich zu mir gekommen, weil sie „richtig atmen" lernen und ein individualisiertes Atemprotokoll für ihre tägliche Praxis erstellt bekommen wollte.
Am Ende der ersten Session sagte sie:
„Ich hatte ganz vergessen, wie sich mein Körper anfühlt."
Ich so in Stille in meinem Kopf:
“Jepp, darum geht’s!” :)
Wenn Leute zu uns kommen, denken sie meistens, Breathwork sei eine Technik und ein Protokoll. Etwas, das man lernt und dann „kann".
Versteh mich nicht falsch, die Auswahl der Technik ist relevant.
Sie gibt Struktur und hat wissenschaftlich bewiesene Effekte auf das Nervensystem.
Aber das ist worüber ich mich als Coachin eigentlich freue:
Dass Menschen wieder ihren Körper wahrnehmen und sich spüren.
Denn der Atem ist die Brücke zwischen Kopf und Körper.
Das sag ich nicht als schöne Metapher, sondern weil es buchstäblich passiert:
Der Atem existiert nur hier, nur im jetzigen Moment.
Nirgendwo sonst.
Dein Kopf kann in der Vergangenheit hängen oder drei Schritte voraus sein - dein Atem nicht.
Der ist einfach radikal präsent.
Und darum ist er so ein fantastisches Werkzeug.
Weil die meisten Menschen, mit denen ich arbeite, nicht wirklich in ihrem Körper sind.
Sie leben die meiste Zeit vom Hals aufwärts und denken, analysieren und planen.
Der Körper ist für sie oft wie eine Blackbox, die irgendwann mit Verspannungen, Erschöpfung oder Krankheit auf sich aufmerksam macht.
Und Atmen bringt dich zurück. In deinen Körper und ins Hier und Jetzt. Immer wieder.
Der Atem “zwingt” dich, für einen Moment da zu sein, wo du bist - in deiner Brust, in deinem Bauch, in deinen Schultern.
Das ist, ehrlich gesagt, manchmal auch der unangenehmere Teil.
In den Körper zurückzukommen bedeutet nämlich, das zu fühlen, was da ist.
Und viele laufen genau davor unterbewusst weg - denn sie wollen bzw. können ihre Anspannung oder Traurigkeit nicht spüren. Sie haben keine Kapazität dafür.
Und da ist dann auch die Stille bedrohlich, denn da wird alles lauter was sonst übertönt wird im beschäftigten Leben.
Mein Job als Atemcoachin ist es meinen Klient:innen zu helfen wieder Sicherheit in ihrem Körper zu finden - das geht manchmal super über den Atem und manchmal auch über andere somatische Ansätze.
.
Ich erinnere mich selbst auch noch sehr genau als ich meinen Atem als Anker gefunden habe und den Moment als ich durch ihn nach zig Jahren der Abwesenheit wieder zurück in meinem Körper angekommen bin.
Ich würde fast sagen es war einer der wichtigsten Momente meines Lebens.